cautionraceonlyjpgDIRTY ROTTEN CARZ

Kopfdichtung Benz 300TE

Der Benz hatte im Dezember 07 159000 km auf der Uhr.

Seit ich ihn mit 101000 km gekauft hatte, hatte er einen fiesen Ölverbrauch. 1 Liter 5W-30 auf 1000 km Minimum.

Das waren offensichtlich die Ventilschaftdichtungen, welche nach 14 Jahren einfach ausgehärtet sind. Mit etwa 120000 km fing er an, kräftig Öl aus dem vorderen und hinteren Bereich der Kopfdichtung rauszuschwitzen.

Beide “Defekte” zusammen könnte ich auf einmal beseitigen, so mein Gedanke. Das hiesse allerdings das Abnehmen des Zylinderkopfes. Also recht aufwändig. Und die Kiste fuhr ja noch einwandfrei. Also hab’ ich es immer vor mir hergeschoben. “Irgendwann mal mache ich das schon.”

Ende November 07 schnellte auf einmal die Temperaturanzeige bis in den roten Bereich. Ein Check offenbarte den totalen Kühlwasserverlust.

Der Motor verlor das Wasser so schnell, daß der Ausgleichsbehälter nach einer Runde um den Block leer war. Ein konstanter Wasserlauf floss an der Ölwanne herunter.

Da der Benz auf der Seite der Ansaugbrücke recht zugebaut ist, konnte ich nicht sehen, wo genau das Wasser rauskam.

Auf Nachfrage bei einem Benz-Spezialisten in Rüsselsheim, wo denn die typischen Wasserverluststellen beim 300er Motor wären, nannte er mir die beiden O-Ringe am Zylinderkopf hinten und an der Wasserpumpe vorne.

 

Nungut. Zeit, etwas zu unternehmen. “Jetzt mache ich die Kopfdichtung gleich mit” dachte ich mir und legte los.

Der W124 ist unglaublich ausgeklügelt konstruiert. Das ist ein sensationelles Auto. Ich kann garnicht genug loben, wie sehr dieses Auto für die Ewigkeit gebaut ist. Das Schrauben an dem Auto ist wie Urlaub, wenn man Opel gewohnt ist.

Bis auf eine Kleinigkeit an der Wasserpumpe....dazu später mehr.

Das Zerlegen ging wie im Schlaf. Habe mir, da ich noch nie an einem so “komplizierten Motor” geschraubt hatte, viele Notizen gemacht, wo welcher Unterdruckschlauch, welche Schraube, welches Kabel hingehört, aber alles sehr einfach. Die Konstrukteure hatte offensichtlich beim Konstruieren dieses Autos tatsächlich den Mechaniker vor Augen, und wollten ihm die Arbeit leicht machen.

Den Zylinderkopf habe ich zum Planen zu einem Motorinstandsetzer gebracht. Dort wurden 2,5 Zehntel abgenommen, er war tatsächlich ein wenig verzogen.

Die Ventile habe ich neu eingeschliffen. Die bei diesem Motortyp anfälligen Ventilführungen wurden vom Motorinstandsetzer geprüft und für neuwertig befunden. Die Zylinderlaufbahnen wurden von mir geprüft und für neuwertig befunden. Die Hohnspuren sind noch 100% zu erkennen. Der Motor ist absolut tip top in Schuss. Hat ja auch erst 160000 km gelaufen ;)

Am Kopf wurden natürlich noch die Ventilschaftdichtungen erneuert. Das ganze mit einem kompletten, neuen Motordichtsatz wieder montiert. Die beiden bröseligen O-Ringe an den Wasserleitungen wurden ersetzt, ebenso, wenn man schonmal alles auseinander hat, der Keilrippenriemen, die Krümmer Stehbolzen und alle Krümmermuttern und -schrauben. Anschliessend alles wieder zusammengebaut. Die Kopfschrauben habe ich vermessen. Sie waren noch locker in der von MB vorgegebenen Toleranz und konnten wiederverwendet werden.

Nach dem Zusammenbau sprang er sofort beim sprichwörtlichen ersten Schlüsseldreh an. Lief sauber und rund...alles super....bis auf den Sturzbach an Kühlwasser, der leider immernoch an der Ölwanne heruntertropfte.

Super. Genial. Das macht Spass. Wasser kam nun nicht mehr von den bröseligen O-Ringen, die hatte ich ja ersetzt, sondern eindeutig aus dem Bereich Wasserpumpe. Vermutlich der große O-Ring, der zwischen Wasserpumpe und Motorblock abdichten soll.

Also Wasserpumpe ausbauen. Einfacher gesagt, als getan. Denn hier haben die Daimler-Buben, meiner Meinung nach, Mist gebaut. Denn sie haben die Wasserpumpe mit 4 Innensechskantschrauben am Block befestigt. Obwohl ich werkzeugmäßig doch recht gut ausgestattet bin, habe ich für die beiden hinteren Schrauben nicht das passende Werkzeug gehabt, um die Wasserpumpe abzuschrauben, OHNE den kompletten Ansaugtrakt nochmal zu entnehmen.

Und gerade dieser Ansaugtrakt, mit all seinen Unterdruck- und Stromleitungen ist das aufwändigste an der ganzen Reparatur gewesen.

Super. Also nochmal runter mit dem Ding. Und zwar komplett. Anheben reichte nicht.

Mit dem Ansauggeweih aus dem Weg, konnte ich mit meinem Werkzeug leider IMMER NOCH NICHT an die Schrauben rankommen. Ich musste herkömmliche Sechskantmuttern auf die Innensechskantschraubenköpfe aufschweissen. Mit einem Gabelschlüssel gingen die Schrauben so einwandfrei raus.

 

Gut, Hürde genommen. Neuen O-Ring gekauft und Wasserpumpe wieder montiert. Diesmal gleich mit Aussensechskantschrauben ;)

Alles zusammengebaut. Motor springt wieder sofort an.....und....geil.....wieder der gleiche besch.....ne Sturzbach an Wasser.

Ich hätte den Hobel beinahe zusammengetreten.

Also doch die Wasserpumpe kaputt.

NOCHMAL alles auseinander, diesmal ging es aber ohne den Saugrohrausbau, weil ich ja die Schrauben der Wasserpumpe durch Aussensechskant ersetzt hatte.

Mitlerweile recht routiniert beim Zerlegen und Zusammenbau ;), hatte ich die Wasserpumpe in nur 2 Stunden komplett getauscht.

Motor sprang an, und siehe da.......alles dicht. Kein Wunder......sind ja auch jetzt wirklich ALLE Möglichkeiten, wo Wasser austreten kann, erneuert worden.

 

Das Auto läuft jetzt wieder super, hat sogar bei hoher Drehzahl ein wenig mehr Biss (konnte nicht anders, musste in den Ansaug- und Abgaskanälen von Kopf und Krümmer leichte Optimierungsfräsarbeiten vornehmen :) ).

Und ich habe die Gewissheit, jetzt, wo ich den Motor in allen Teilen sehen konnte, daß der Motor in wirklich erstklassigem Zustand ist. Sehr beruhigend, sowas.

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